Augen auf beim Olivenölkauf

Lasst euch nicht für dumm verkaufen, wenn ihr Olivenöl kauft. Echtes Öl gibt’s nicht für lau

Ein echtes Olivenoel hat Bitterkeit, Schärfe und grasige oder fruchtige Nuancen

Ein echtes Olivenoel hat Bitterkeit, Schärfe und grasige oder fruchtige Nuancen

Original und Fälschung

Olivenöl noch mal. Bei dem Thema denkt sogar die Stiftung Warentest um. »Kaum Schärfe und Bitterkeit, Mittelmaß bei der Fruchtnote« bemängelten die Experten bei ihrem letzten Test (Ausgabe 2/17). Von 24 getesteten Ölen der Premiumklasse nativ extra bekam keines ein »gut«. Zehn Öle waren »mangelhaft«, neun »befriedigend« und fünf »ausreichend«. Erschütternd! Aber trotzdem: Dass die Sensorik überhaupt eine Rolle bei der Bewertung spielt, ist schon ein Fortschritt. Denn immer wieder hat die EU ihre Regelungen zur Inverkehrbringung von Olivenöl verwässert. Dass dabei die finanziellen Interesse der großen Anbieter ausschlaggebend waren, ist ein begründeter Verdacht. Denn wir Verbraucher merken es nicht, wenn Qualitätsstandards gesenkt werden. Weil unser Geschmackssinn eng an unsere Gewohnheiten gekoppelt ist, schmecken wir den massiven Lebensmittelbetrug beim Olivenöl nicht heraus – allzu lange wurden wir getäuscht.

Da stimmt wohl etwas nicht: im Handel geht viel mehr Olivenoel über den Tresen als produziert wird

Da stimmt wohl etwas nicht: im Handel geht viel mehr Olivenoel über den Tresen als produziert wird

Alles andere als transparent

»Lebensmittelbetrug ist überall möglich, wo es sich lohnt«, sagt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Und beim Olivenöl lohnt es sich. Gutgläubig bezahlen wir entweder stolze Preise oder freuen uns über unfassbar günstige Schnäppchen im Discounter. Doch die obige Grafik zeigt: Es kann gar nicht soviel Nativ-Extra-Qualität produziert werden wie sie verkauft wird. Kontrollen seitens des Gesetzgebers unterbleiben. Die Gründe: zu teuer, zu wenig Personal,  mangelndes Problembewusstsein. Insbesondere beim Discount-Bio herrscht alles andere als Transparenz, wie der NDR jüngst herausfand. Wenn wir nicht länger auf Betrug hereinfallen wollen, müssen wir uns also selbst um gute Ware kümmern. Allerdings sollten wir vorher erst einmal wieder schmecken lernen – genau so wie die Tester von Stiftung Warentest.

Schmecken lernen

»Wenn sich bei einem Öl keine herben bis bitteren und pfeffrigen, scharfen Noten finden, weist dies auf ein altes oder durch Fehler in der Produktion bereits alt gewordenes Olivenöl hin«, schreibt Conrad Bölicke im arteFakt-Katalog. Den gebürtigen Berliner kann man getrost als Olivenöl-Guru bezeichnen. Bölickes Handelsagentur für Erzeuger-Verbraucher-Ideen arteFakt verfolgt einen ähnlich redlichen Ansatz wie beispielsweise die Teekampagne oder Ratiodrink. Doch inzwischen zählen diese Drei zu den Großen im Markt. Es sind  glaubwürdige Akteure. Sie setzen, quasi stellvertretend, unsere Wünsche nach Ehrlichkeit und Transparenz um.  Aber wir können auch andere Kriterien für unsere Kaufentscheidungen entwickeln. Zum Beispiel, in dem wir regional zu kaufen. Was beim Olivenöl nicht geht. Da können wir jedoch gezielt kleine Anbieter oder Manufakturen bevorzugen.

Elèe stammt aus dem Peleponnes und wird zu 100 % aus Koroneiki Oliven gepresst

Elèe stammt aus dem Peleponnes und wird zu 100 % aus Koroneiki Oliven gepresst

In die Literatur eingegraben

Beim Olivenöl ist mir die Mini-Firma Elèe sympathisch. Simon Kosta aus Ingolstadt hat mir 250 ml Öl zugeschickt. Bevor es bei mir eingetrudelt ist, haben wir ein Telefoninterview geführt. Dabei ging es um Sachen wie Zertifizierung, Terroir und Koroneiki Oliven. Aber auch um die griechische Linksregierung, beziehungsweise die wirtschaftliche Situation der Olivenbauern, mit denen er zusammenarbeitet. Kostas Vater ist Grieche. Deshalb ist sein Kontakt zur väterlichen Heimat auf dem griechischen Festland nie abgerissen. Als einer seiner Freunde sich dort vor einigen Jahren ein Olivenölpresse zulegte, wurde die Idee einer eigenen kleinen Olivenölmarke konkret. »Obwohl ich Halbgrieche bin«, sagt der Elée-Mitgründer, »war mir der wahre Geschmack von Olivenöl gar nicht so geläufig. Ich musste mich erst in die Literatur eingraben, um auf Basis dieses Hintergrundwissens echt von falsch unterscheiden zu können.«

Zähe, knorrige Burschen

Das Öl von Elèe ist sortenrein. Also zu 100 % aus Koroneiki Oliven. Die Früchte stammen ausschließlich vom Peleponnes.  Kosta: »Unser Anbaugebiet liegt ziemlich hoch. Bis zu 700 Meter über dem Meeresspiegel.« In der felsig-bergigen Landschaft haben es die Olivenbäume nicht leicht, an Wasser zu kommen. Im Sommer gäbe es etwa einen Regentag pro Monat, sagt Kosta. »Eigentlich setzt das den Baum in eine Stresssituation. Auf der anderen Seite hat das Terroir viele gute Mineralstoffe und andere, für die Fruchtbarkeit der Bäume förderliche Stoffe.« Manche der Bäume seien schon sehr alt, die Mehrzahl über 50, die ältesten über 350 Jahre. »Zähe, knorrige Burschen, deren Oliven, gerade weil sie nur wenig Wasser ziehen, sehr reich an Polyphenolen sind«. Für das Öl werde relativ früh geerntet und vor Ort kalt gepresst, erklärt der 27-Jähige. Die frühe Ernte sorge für einen höheren Gehalt an wertvollen sekundären Pflanzenstoffen.

Angaben über Säure- und Wachsgehalt oder Peroxide - interessante Hinweise zum Vergleich mit anderen Ölen

Angaben über Säure- und Wachsgehalt oder Peroxide – interessante Hinweise zum Vergleich mit anderen Ölen

Unverfälschte Qualität

Das Öl Elèe gefällt mir ausnehmend gut. Es hat eine pfeffrige Note und dezent herbe, grasige Nuancen. Ich genieße es am liebsten pur: mit einer Prise grobem Fingersalz, aufgetunkt mit einem Stück frischer Ciabatta. Dabei bilde ich mir ein, dass ich meinem Körper etwas Gutes tue. Aber um Gesundheit geht es hier ausnahmsweise mal nicht. Sondern um unverfälschte Qualität. Auf dem Etikett des Öls wird der Wachsgehalt mit < 250 mg/kg angegeben, der Säuregehalt  mit < 0,4 und Peroxidgehalt beträgt meq 0,2/kg. Dabei handelt es sich um Maximalwerte zum Zeitpunkt der Abfüllung. Ein wichtiger Hinweis, denn Lagerung, Sonnenlicht und Wärme können diese Qualitätsmerkmale rasch und drastisch verschlechtern (weiterführende Links findet ihr unten). Noch nie sind mir ähnliche Angaben auf einer Flasche aufgefallen. Doch Transparenz und Klarheit sind für Kosta  »von Anfang an« wichtig.  Noch befindet sich das Unternehmen in der Aufbauphase. Nicht alle Zertifizierungen und Infos sind bereits auf der Website hinterlegt.  Kosta: »Dafür können wir wegen des sehr schlanken Aufbau unseres Unternehmens Kostenvorteile für unsere Kunden herausholen. Wir sind zwei Mitarbeiter in Deutschland und einer in Griechenland.«

0,25 l Olivenöl von Elée kosten im Onlineshop 5,99 €

Und hier die Links:

Zu Elée führen zwei Wege. Klicke einfach hier oder hier

Ein paar gute Infos zu Säure, Peroxid und mehr gibt es hier

Superschneller Überblick über die Fettsäurenzusammensetzung und dem Anwendungsspektrum von Fetten aller Art

Immer wieder verwässert die EU-Bürokratie die Regelungen für das Inverkehrbringen von Olivenöl. Diese  Zusammenfassung stammt aus Nikos-Weinwelten

Verbrauchertäuschung,  BILD Style

Veröffentlicht am 22.02.2017

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