Die Schrauber kommen

Warum man beim Greenpeace Repair-Café extrem viel über Smartphones, Konfliktmetall und Elektroschrott lernen kann

Das nächste Repair Café in Hamburg findet am Samstag, 25. Februar 2017, 12 bis 16 Uhr statt
Ort: Hongkongstraße 10 (Hafencity), 20457 Hamburg

Anmeldung: Die Zahl der Reparaturen ist begrenzt und nur für bestimmte Modelle und Schäden möglich. Deshalb bitten wir Sie, sich spätestens bis zum 15. Februar 2017 unter folgender Emailadresse anzumelden: repaircafe@greenpeace-hamburg.de

9. Oktober 2016, Hamburger Greenpeace Zentrale in der Hafencity - Smartphone Repair-Café

9. Oktober 2016, Hamburger Greenpeace Zentrale in der Hafencity – Smartphone Repair-Café

Du reparierst. Wir helfen!

Nach der Detox-Kampagne für Kleidung startet Greenpeace jetzt eine Entgiftungs-Kampagne für Elektronik. In deren Mittelpunkt stehen Repair-Cafés für Handys und Smartphones. Sie sind für mehrere Städte geplant. Zum Auftakt fand das erste Repair-Café am 9. Oktober 2016 in der Hamburger Hafencity statt. Warum besonders bei Smartphones Handlungsbedarf besteht, erläuterten der Greenpeace Chemie-Experte Manfred Santen, der Leiter der Europa Zentrale von IFIXIT , Matthias Huisken, sowie Tina Trinks vom Unternehmen Fairphone. Doch erzählen wir der Reihe nach.

Auf, auf ins Repair-Café

»Was machst du, wenn dein Smartphone oder Handy den Geist aufgibt?«, fragt Greenpeace mich vor einigen Wochen per Mail. Sollte der Akku schwächeln, das Display bröckeln oder mein teures Gerät andere Macken haben, könne ich es unter fachlicher Anleitung beim Greenpeace Repair-Café wieder fit machen. Dazu sei allerdings eine Anmeldung nötig. Der Grund: die Schrauber vom der Greenpeace-Team müssen erst mal schauen, ob es für mein Modell schon Tutorials für die Reparatur gibt. Nach einer oberflächlichen Erstdiagnose können ausserdem  vorab Werkzeuge und Ersatzteile bestellt werden.

Im Internet gibt es millionenfach Anleitung für Akkutausch oder andere kleine Elektro-Reparaturen

Im Internet gibt es millionenfach Anleitung für Akkutausch oder andere kleine Elektro-Reparaturen

Wer lötet, spart Müll

Erst 11% aller Deutschen haben ihr Smartphone schon mal reparieren lassen. Im internationalen Vergleich liegen sie damit ganz hinten. Das könnte sich bald ändern. Im ganzen Land schießen derzeit Repair-Cafés aus dem Boden. Viele Käufer es satt, Geräte zu kaufen, die sie nicht öffnen können. Statt das teure Teil in die Tonne zu treten, tauschen sie den leergelaufenen Akku einfach gegen einen neuen aus oder beheben eigenmächtig einen Wackelkontakt. Auf Youtube gibt es millionenfach Reparatur-Anleitungen – für die elektrische Zahnbürste ebenso wie für Toaster, Föhns oder Autos. Das Geschäft mit elektronischen Ersatzteilen boomt. Vor Fälschungen, erkennbar am unschlagbaren Billigpreis, wird deshalb bereits in vielen DIY-Foren gewarnt.

Raubbau für ein Wegwerfprodukt

Der ganze Irrsinn fest verklebter Akkus und laminierter Nähte zeigt sich besonders bei Smartphones. Deshalb haben sich die Greenpeace Repair-Cafés ausschließlich auf die Mobilgeräte spezialisiert. In ihrer Kampagne durchleuchten die Umweltschützer die gesamte Lieferkette. Angefangen bei dem zerstörerischen Abbau von »Konfliktmetallen« wie Cobalt oder Gold, dem Einsatz giftiger Chemikalien wie etwa Weichmacher, PVC oder bromierte Flammschutzmittel, den unmenschlichen Arbeitsbedingungen innerhalb der Produktion bis zur künstlich herbeigeführten Kurzlebigkeit der Produkte und dem Wahnsinn der schnellen Modell- und Designwechsel. Ziel der Kampagne ist es, die Nutzungsdauer von  Handys und Smartphones zu verlängern und damit den Raubbau an Ressourcen zu verlangsamen.

Schraub dein iPhone auf!

»Produkte von Apple sind die wohl am besten dokumentiertesten Produkte«, sagt Matthias Huisken. Er arbeitet für das in Amerika gegründete »kostenlose Reparaturhandbuch« IFIXIT – eine weltweite Gemeinschaft von Menschen, die sich gegenseitig helfen, Dinge zu reparieren. IFIXIT finanziert sich durch den Verkauf von Werkzeugen, Ersatzteilen und Toolkits. Mit herkömmlichen Schraubenziehern lassen sich die herstellerspezifischen Schrauben und Komponenten oft nicht mehr bearbeiten. Für die Handyreparatur braucht man außerdem Erdungs-Matten, um sich gegen statische Aufladung zu wappnen. Schon winzige Stromschläge können eine Platine schrotten.

Keine komplizierte Sache

Doch zurück ins Repair-Café. Im Atrium des Greenpeace Hauptquartiers  liegt auf allen Tischen ein spezielles Smartphone-Reparatur-Kit. Alle Besucher haben sich ihren persönlichen Termin bei einem der ehrenamtlichen Greenpeace-Schrauber geben lassen. »Wir wollen zeigen, dass eine Smartphone-Reparatur keine komplizierte Sache ist«, sagt Konrad Daleske. Der 30-jährige ist hauptberuflich Software-Entwickler. In der Vorbereitungsphase des Repair-Cafés hat das Helferteam mehrere Schulungen durchlaufen. Jetzt können sie gemeinsam mit den Handybesitzern die vereinbarten Reparaturen wuppen. Daleske: »Uns geht es um ein Miteinander. Reparieren kann man auch selbst. Am Ende erkennt man, dass ein Smartphone nicht das unveränderliche Produkt ist, als das es die Hersteller gern darstellen.«

Darüber sollten wir alle beim Kauf eines Elektrogerätes nachdenken....

Darüber sollten wir alle beim Kauf eines Elektrogerätes nachdenken….

Und was sagt die Regierung?

Wie immer hinkt die Politik den Herstellern hinterher. Das wird bei den Diskussionen nach den drei spannenden Vorträgen von Santen, Huisken und Trinks deutlich. Zwar gibt es bereits auf EU-Ebene Regulierungen, die in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Beispielsweise die WEE-Richtlinie für Elektrogeräte oder die REACH-Vorgaben für Chemikalien. Doch sind die einzelnen Paragraphen in den nationalen Gesetzbüchern so wattig formuliert, dass es den Herstellern nicht wirklich wehtut. Umso wichtiger ist es, dass wir Käufer mit Repair-Cafés, Youtube-Tutorials und anderen Mitteln der Selbstermächtigung eine Gegenbewegung in Gang setzen.

Und hier die Links:

2016, ganz aktuell: Brennende Ersatzgeräte bringen Samsung in Erklärungsnot via Süddeutsche Zeitung

In diesem Wikipedia-Eintrag lernst du mehr über Konfliktrohstoffe

Die nächsten Greenpeace Repair Cafés finden am 12.11. in mehreren deutschen Städten statt: etwa in Hannover oder Braunschweig. In Hamburg trifft man sich am 12.11. von 12-16 Uhr im Centro Sociale, Sternstr. 2. (Anmeldung erfoderlich unter repaircafe@greenpeace-hamburg.de)

Die nächsten Greenpeace Repair-Cafés finden am 12.11.2016 in verschiedenen Städten statt

Die nächsten Greenpeace Repair-Cafés finden am 12.11.2016 in verschiedenen Städten statt

Wenn du mehr über die Umweltfolgen der Smartphone-Nutzung wissen willst: Greenpeace-Artikel »Hightech zu Technoschrott«

Falls jemand mal eine elektrische Zahnbürste reparieren will – hier eine super Anleitung!  Bei youtube gibt’s mehr davon, allerdings mit starken qualitativen Schwankungen

Zum Schluss noch ein schöner Artikel zum Thema Wegwerfgesellschaft via Die Zeit

Veröffentlicht am 10.10.2016

2 Gedanken zu „Die Schrauber kommen

  1. Ania

    Die nächsten Greenpeace Repair Cafés finden am 12.11. in mehreren deutschen Städten statt: etwa in Hannover oder Braunschweig. In Hamburg >>>TRITT<<< man sich am 12.11. von 12-16 Uhr im Centro Sociale, Sternstr. 2. (Anmeldung erfoderlich unter repaircafe@greenpeace-hamburg.de)

    Wie gut, dass meine Devices alle mackenfrei sind, ich lasse mich nämlich genauso ungern treten wie ich selbst trete.

    Antworten

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