Das Rushing-Woman-Syndrom

Dr. Libby Weaver weiß, warum Frauen unter PMS, Unfruchtbarkeit, Gewichts- und Verdauungsproblemen leiden – und erfindet das # Rushing-Woman-Syndrom

Gelesen und für gut befunden: Das Rushing Woman Syndrom von Dr. Libby Weaver, TRIAS Verlag, 2017

Gelesen und für gut befunden: Das Rushing Woman Syndrom von Dr. Libby Weaver, TRIAS Verlag, 2017

Hast du das Rushing-Woman-Syndrom?

Der Mann, die Kinder, die Karriere plus die Freunde, die Freizeit, der Haushalt. Ausserdem das Gewicht, die Regel, die Haare, die Haut. Ferner die Verdauung, die Migräne, die Sucht und der Hunger. Bringen diese Worte etwas in dir zum Klingen? Hyperventilierst du schon? Falls ja, könnte »Das Rushing-Woman-Syndrom« von Dr. Libby Weaver eine Wohltat sein. Die Biochemikerin und Ernährungsberaterin hat ihr Buch den dauergestressten Fauen dieser Welt gewidmet. In einfachen Worten klärt sie auf, welche Auswirkungen es hat, sich die meiste Zeit im Hamsterrad zu drehen. Ihr Motiv? »Es ist ein Erfahrungswert«, sagt die Australierin. Als sie vor Jahrzehnten ihre Praxis eröffnete, seien ihre Klientinnen stets pünktlich erschienen. Heute kämen die meisten schweissgebadet angehechelt, mit hängender Zunge, das Handy im Anschlag. Kommt dir irgendwie bekannt vor?

Warum keine Männer?

Wir treffen uns Ende April in Hamburg zum Pressegespräch. Eingeladen hat der TRIAS Verlag. Die Stuttgarter haben gleich mehrere Bücher von Dr. Weaver im Programm (alle Links unten). Gekommen sind Journalistinnen, Bloggerinnen, Heilpraktikerinnen. Und auch einige Männer eben dieser Professionen. Nachdem Dr. Weaver ihr Buch vorgestellt hat, lautet eine der ersten Fragen: »Warum richtet sich Ihr Buch nur an Frauen?« Aus zwei Gründen, antwortet die Autorin. Erstens: das Selbstbild der Frau. Es münde häufig in eine schon fast zwanghafte Jagd nach Liebe. Und bereite so den Boden für Dauerstress. Und zweitens: der weibliche Hormonzyklus. Hier seien Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol für folgenschwere Schäden verantwortlich. Wie beispielsweise den unerfüllten Kinderwunsch. Darunter litten Männer sehr viel weniger. Und sie bauten in ihr Leben öfter als Frauen regelmäßige Erholungspausen ein.

Schlechte Nachricht für Tchibo

Und damit Schwenk zur einer unangenehmen Botschaft der Ernährungsexpertin. Sie lautet: Lasst den Kaffee weg! Wie bitte? Hmm. Wogegen sich erstmal alles sträubt, fällt nach dem Lesen des Buches weniger schwer. Weil Weaver gute Gründe hat. Koffein, so schreibt sie, hat einen starken Einfluss auf unser Nervensystem. Es fordert die Nebennieren zur Ausschüttung von Adrenalin auf. Adrenalin vermittelt jeder Körperzelle, dass sie in Lebensgefahr ist. Es aktiviert in unserem Nervensystem den Sympathikus. Dieser versetzt den Körper in Alarmstimmung. Angriff oder Flucht? Entsprechend setzt der Körper Prioritäten. Beispielsweise wird das Blut aus dem Verdauungstrakt abgezogen. Bis wir außer Lebensgefahr sind, kann die Mahlzeit erstmal liegen bleiben. Stattdessen werden Arme und Beine, da für Angriff oder Flucht gebraucht, stärker durchblutet. Kein Wunder, dass es bei regelmäßigem Kaffeekonsum mit der Gewichtsabnahme nicht so recht klappen will.

Alkohol entspannt nicht wirklich

Doch auch dem Feierabendbier oder -wein stellt die Biochemikerin schlechte Noten aus. »Ich glaube kaum«, schreibt Weaver, »dass ausgerechnet der weibliche Körper dazu geschaffen ist, das ganze Erwachsenenleben hindurch regelmäßig Alkohol zu konsumieren.« Der Versuch, sich mit Alkohol zu entspannen, sei mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden. Bekanntermaßen ist Alkohol ein starkes Lebergift. Aber es gibt noch einen  weiteren, eher unbekannten Zusammenhang  zwischen dem Organ und dem weiblichen Hormonzyklus. »Der menschliche Körper kann Alkohol nicht ausscheiden«, weiß Weaver. »Zuvor muss er in der Leber in Acetaldyhyd umgewandelt werden, welches dann ausgeschieden werden kann.« Nach dem Genuss von Alkohol setzt auch die Leber Prioritäten. Sie macht sich erstmal an die Entgiftung von Alkohol. Und schiebt den Abbau von Östrogenen und Cortisol auf die lange Bank. Östrogendominaz gilt als Verursacher von prämenstruellen Beschwerden (PMS). Ein erhöhter Cortisolspiegel wiederum beeinflusst den Fettstoffwechsel und kann die Körperchemie verändern bis hin zum Metabolischen Syndrom.

Das Rushing-Woman-Syndrom: Ein prima Buch

Zuallererst: Das Buch ist exzellent strukturiert. Die Einführung unterhält mit vielen Beispielen aus dem echten Leben. Darauf folgt ein Kapitel über die Rolle des Nervensystems. Im Anschluss eines über die Aufgaben der Hormone im endokrinen Drüsen-System. Auf die Verdauung geht Dr. Weaver eingehender ein. Und verweilt eine Weile bei unserem Gefühlshaushalt – ein nicht zu unterschätzender Faktor. Besonders nützlich ist indes der letzte Teil des Buches. In ihm widmet sich die Australierin Punkt für Punkt allen Maßnahmen, die einer dauergestressten Frau zur Hilfe eilen. Dabei liefert Weaver sogar wissenschaftlich fundierte Argumente für die Wichtigkeit der Bauchatmung. Klammer auf: Aktiviert die Ausschüttung von »Entspannunshormonen« via Parasympathikus, Klammer zu. »Das Rushing-Woman-Syndrom« ist ein in jeder Beziehung empfehlenswertes Buch. Besonders eignet es sich für jüngere Frauen, die etwaigen Fehlsteuerungen rechtzeitig vorbeugen möchten. Aber es birgt auch für Frauen jenseits der Menopause wunderbar nachvollziehbare Tipps.

PS: Der Schilddrüsen-Thematik, ebenfalls gut nachvollziehbar beschrieben, und der verblüffenden Aufgabe des Progesterons, werde ich mich in einem späteren Blogpost widmen. Versprochen!

Und hier die Links:

Hier geht’s zum Buch

Ausserdem erschienen: Stoffwechsel Geheimnis und das dazu gehörige Kochbuch Stoffwechsel-Kick

In Australien gilt Dr. Weaver angeblich als »Rockstar der Ernährung«. Hier ihre (leider arg kommerziell wirkende)  Website

Veröffentlicht am 12.05.2017

Ein Gedanke zu „Das Rushing-Woman-Syndrom

  1. Arthi

    Schöner Artikel, habe davon das erste mal gelesen.
    Aber wie Zeigt sich das die ganzen Genussmittel nicht gut sind. Gerade Alkohol und Kaffee sind so in der Gesellschaft integriert.

    Antworten

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