Lass Wasser, Baby!

Schnell mal ein paar Pfunde verlieren? Da gibt’s wohl nichts Besseres als Spargel. Nach dem Verzehr riecht der Urin. Aber zur Verblüffung der Wissenschaft nicht immer

Kaliumreichen Lebensmitteln, wie zum Beispiel Aprikosen, sagt man eine entwässernde Wirkung nach. Ist also das Kalium das harntreibende Geheimnis des Spargels? Falsch: Jede Tomate, jede Banane enthält mehr davon. Aber welcher Stoff ist es dann, der uns nach dem Spargelessen zügig in Richtung Pissoir streben lässt?

Spargel treibt den Harn

Ist es das Kalium? Ist es die Asparaginsäure?

Leider verbirgt sich hier eines der großen Rätsel der Menschheit: Wir ahnen es nur. Kai Kupferschmidt vom „Tagesspiegel“ verdanken wir immerhin die Anekdote vom Londoner Herrenclub. Dort fordert ein Schild die Mitglieder auf, sich nach dem Spargelessen nicht in den Schirmständer zu erleichtern. Denn eines steht fest: Spargel. Entwässert. Zügig. Bei manchen Spargelessern riecht der Harn hinterher. Himmlisch oder erbärmlich – das ist Geschmackssache. Ob man den Duft überhaupt riecht, hängt nach heutigem Stand der Wissenschaft überraschenderweise von der genetischen Ausstattung eines Menschen ab. Manche nehmen den seltsamen Geruch wahr, manche nicht. Einige Spargelesser scheiden eine Schwefelverbindung aus – mit nachträglicher Geruchsentfaltung –, manche nicht. Die Ursachen liegen jedes Mal in den Genen – ab da verschwindet der Duft im wissenschaftlichen Nirwana.

Großer Reiniger Asparaginsäure

März 2015 – juhu, der erste heimischeSpargel ist da – dieser stammt aus der Nähe von Bremervörde

Vermutlich gibt es aber einen anderen Stoff, der uns bei Anbruch der Spargelsaison diesen seltsamen Glanz in die Augen treibt, der bei Männern sonst nur in Verbindung mit Fußball und bei Frauen angesichts von Sahnetorten auftritt.  Wenn es nicht das komplexe Zusammenspiel von allem ist, zum Beispiel den 94 Prozent Wasser, den 210 Milligramm Kalium, den vielen Spurenelementen, Saponinen und den Purinen, die im Spargel enthalten sind, so ist es mit Sicherheit die Asparaginsäure, die die Stengel so begehrenswert macht. Asparaginsäure ist ein Neurotransmitter und wirkt als Botenstoff im Gehirn. Asparaginsäure spielt aber auch in der sogenannten Harnstoffsynthese eine Rolle. Über ein paar Umwege hilft sie den Nieren, das giftige Abbauprodukt Ammoniak aus dem Körper zu schwemmen. Sehr wahrscheinlich ist es diesem einzigartigen Stoff zu verdanken, dass wir so heiß auf Spargel sind: Kein zweites Gemüse entgiftet besser.

Mit Spargel nur im Frühjahr entgiften?

Zur Not auf Spargelsaft von Schönenberger zurück greifen

Zur Not auf Spargelsaft von Schönenberger zurück greifen

Wer außerhalb der Saison mit Spargel entgiften will, bekommt — meist nur auf Bestellung — im Reformhaus Spargelsaft von Schoenenberger. Er enthält viel Asparaginsäure und wird nach dem bewährten Prinzip des Herstellers frisch gepresst und schonend haltbar gemacht. Besonders wohlschmeckend ist der Saft natürlich nicht, aber wirksam. Meine Empfehlung: Am besten eine kleine Kur machen, bestehend aus drei Flaschen. Aber Achtung: Alle, die zu hohen Harnsäurespiegeln neigen — wie zum Beispiel Gichtkranke — sollten den Saft stehen lassen! Wegen des hohen Puringehalts dürfen sie auch frischen Spargel nur in Maßen genießen.

Und hier der Link:

Kai Kupferschmidts lustige Spargel-Anekdote im Berliner Tagesspiegel

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