Dicke Bretter bohren

Was wäre wenn? Wir in einer wahren Demokratie lebten? Und keine Spekulationsbanken mehr subventionierten? Christian Felber, Vordenker der »Gemeinwohl-Ökonomie«, kann sich das gut vorstellen

Alte gegen neue Welt

Um einmal die Verhältnisse zu verdeutlichen: Am selben Abend, an dem 150 Leute Christian Felber hören wollen, folgen 2000 Gäste der Einladung von Jordan Belfort. Felber ist Vordenker der »Gemeindewohl-Ökonomie«. Belfort ist Krimineller und hat wegen Wertpapierbetrugs knapp zwei Jahre im Knast gesessen. Felber diskutiert in der »Katholischen Akademie« in Hamburg gemeinsam mit Ralf Ptak über das Thema »Gerechtigkeit in Deutschland«. Belfort, nach dessen Vorbild Martin Scorsese den Film »Wolf of Wall Street« gedreht hat, lehrt seine Zuhörer in der »Festhalle Frankfurt«, wie man reich wird. Finde den Fehler.

Christian Felber meets Ralf Ptak

Wie lange die Verhältnisse noch so sind, wie sie sind, vermag niemand zu sagen. Darum geht es auch nicht, am 28.10.2014 in Hamburg. Eigentlich sollte Prof. Dr. Rudolf Hickel zu der Podiumsdiskussion mit dem Untertitel »Was muss anders werden in der Ökonomie?» kommen. Aufgrund dessen Absage verteidigt PD Dr. rer. pol. Ralf Ptak die Zunft der Wirtschaftswissenschaften. Felber betont nämlich ausdrücklich, kein Wirtschaftswissenschaftler zu sein. Er hat romanische Sprachen, Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie studiert. Und damit Fächer, die von der neoliberalen geprägten Wirtschaftswissenschaft, insbesondere den Anhängern von Friedrich August von Hayek, chronisch ausgeblendet werden. Mit der Vision der »Gemeinwohl-Ökonomie« hat Felber gleichwohl den Grundstein für eine Bewegung gelegt, die in Österreich, Deutschland, Italien und Spanien mehr und mehr Fuss fasst. Verkürzt gesagt geht es dabei um ein »das« Wirtschaftsmodell der Zukunft, welches Werte wie Menschenwürde, Solidarität und Nachhaltigkeit umsetzt. Dass es an anderer Stelle ebenfalls Zukunftsmodelle gibt, zeigt Ralf Ptak auf: Degrowth, Cradle to Cradle, Postwachstumsökonomie und plurale Ökonomik beispielsweise seien interessante Ansätze. Dem stimmt Felber zu: ähnlich wie »Liquid Democracy« sei die »Gemeinwohl-Ökonomie« ein offenes System. Mit Sicherheit spannend deshalb der Wirtschaftskonvent vom 5. bis 7. Dezember 2014 in Berlin.

Packen wir’s an

Moderiert wird der Abend von Norbert Bernholt, Geschäftsführer der Akademie Solidarische Ökonomie und Helmut Janßen-Orth vom Hamburger Arbeitskreis Wirtschaft mit Zukunft. Eine Podiumsdiskussion im Sinne von konträren Positionen entspinnt sich nicht, doch es wird deutlich, dass im Raum weitere visionäre Funken gezündet werden – die meisten der 150 Zuhörer sind hinterher noch lange in Diskussionen verstrickt. Hier die Impressionen:

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Und hier die Links:

In der Reihenfolge ihres (Nicht)Auftretens in diesem Post bei Wikipedia: Christian Felber, Jordan Belfort, Rudolf Hickel, Ralf Ptak, Friedrich August von Hayek

Wo du dich über die »Gemeinwohl-Ökonomie« und die »Plurale Ökonomik« informieren kannst

Englischsprachige Fundsachen, die ich im Zuge des Surfens nach dem anregenden Abend entdeckt habe:

Warum das Leben in einer »Degrowth-Economy» ein gutes Leben sein könnte

Tolle Story im New Yorker aus dem Innenleben eines Finanzskandals

Veröffentlicht am 02.11.2014

2 Gedanken zu „Dicke Bretter bohren

  1. Evelyn Kuttig

    Ich freue mich, mich hier wegen eines Hinweises von Sabine Siehl so prägnant über die Veranstaltung, die ich leider versäumen musste, informieren zu können … Obendrein mit so klugen Ergänzungen, wie z.B. „Finde den Fehler“, Hinweisen und Links … Ganz herzlichen Dank dafür!

    Antworten

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