Food Assembly heißt jetzt Marktschwärmer

Wie kommen Erzeuger und Käufer bequem zusammen? Mit uns, sagen die Macher von Marktschwärmer #regional #kurzeWege

Aktualisierung 22.02.2017: Food Assembly hat sich umbenannt und heißt jetzt Marktschwärmer

Simpel und direkt

Das Prinzip ist ganz einfach: Ich richte ein Mitgliedskonto bei der Food Assembly (jetzt Marktschwärmer) ein. Kaufe und bezahle regionale Lebensmittel online. Hole meinen Warenkorb zu einer festen Zeit an einem festen Ort ab. Dort treffe ich die Produzenten meiner Einkäufe, kann ihnen Fragen stellen oder andere Mitglieder kennenlernen. Die Food Assembly befriedigt also gleich mehrere meiner Bedürfnisse: die nach Flexibilität und Bequemlichkeit, Frische und Transparenz, Einkaufserlebnis und menschlicher Nähe. Theoretisch jedenfalls. In vielen deutschen Großstädten befinden sich Food Assemblies erst im Aufbau. Erfahrungswerte fehlen noch. Anders dagegen in Frankreich. Dort ist das webbasierte Direktvermarktungs-Netzwerk unter dem Namen »La Ruche qui dit oui« bekannt. Zu deutsch: »Der Bienenkorb, der ja sagt«. Es gilt als Musterbeispiel erfolgreichen Sozialunternehmertums.

Ein Bienenkorb sagt ja

Echt graswurzelmäßig ist das Ganze nicht. »La Ruche qui dit oui« wurde im Dezember 2010 unter dem Dach der Aktiengesellschaft Equanum SAS gegründet. Gründer waren der Industriedesigner Guilhem Chéron, inzwischen Ashoka-Fellow, und Mounir Mahjoubi, heute Präsident des französischen Nationalen Digitalrats (Conseil national du numérique). Das erste Kapital schoß einer der reichsten Männer Frankreichs zu, Xavier Niel, ein digitales Schwergewicht. Ferner waren als Inkubatoren mit an Bord: der Co-Gründer des Kulinarik-Portals Marmiton.org und Akteure der französischen Flirt-Portal-Szene. Heute will das Start-up mit dem Geld und der Expertise diverser Investoren europaweit expandieren. Darunter XANGE , USV (Duckduckgo, Soundcloud, Disqus), FELIX CAPITAL und QUADIA. Vor zwei Jahren waren über 700 Ruches (Bienenkörbe, bzw. Assemblies) in Frankreich aktiv. In Deutschland gibt es derzeit 19 Assemblies in Berlin, Chemnitz, Köln, München und Gütersloh. Mindestens weitere 25 sind im Aufbau. Das Unternehmen betreibt 11 Büros in Paris, Lyon, Toulouse, Nantes, Lille, London, Brüssel, Berlin, Turin, Barcelona und Madrid.

Salz Kristall aus der Ostsee - falsch rum, die Spitze der Pyramide wächst im Meerwasser nach unten

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Zwischenhandel umgehen

Macht eine Food Assembly es besser als andere Direktvermarkter? In Frankreich sind manche AMAPs, das steht für »Associations for the Maintenance of Agriculture Paysanne«, von den Neuen nicht eben begeistert. AMAPS sind reine Bio-Netzwerke. Sie werden als Fortführung der bereits in den 60er Jahren von japanischen Hausfrauen gegründeten Tekeis betrachtet. Mit den Tekeis wollte man den Zwischenhandel umgehen, um nicht mit Blei kontaminierte Lebensmittel kaufen zu müssen. Historisch gesehen werden Tekeis als erste Formen von Solidarischer Landwirtschaft und CSA-Modellen (Kürzel für community-supported agriculture) eingeordnet. Bio-Kisten, Abos und Hofbeteiligungen sind – mal abgesehen vom klassischen Wochenmarkt – erprobte Wege, um regional einzukaufen. Die relativ jungen Food Assemblies sind eine gute Ergänzung.

Gastgeber und Plattformbetreiber erhalten vom Verkaufspreis je 8,35 %

Gastgeber und Plattformbetreiber erhalten vom Verkaufspreis je 8,35 %

Erste Food Assembly in Hamburg eröffnet

»Wir sind eine Online-Shop für regionale Lebensmittel«, erklärt Alexander Meyer Anfang Oktober in Hamburg Altona das Prinzip. Neben Marie Biermann ist Meyer Gastgeber der ersten hanseatischen Food Assembly. In der Fabrik, Barnerstraße 36, kann fortan jeden Samstag zwischen 11:00 und 13:00 Uhr der Warenkorb abgeholt werden. Ein kleiner Steckbrief informiert darüber, aus wieviel Kilometer Entfernung Milch, Honig, Eier, Rindersalami, Gemüse, Himbeerspezialitäten oder Ostseesalz kommen. Im Gespräch mit den Erzeugern an den Ständen klären sich schnell Fragen, die entfremdete Städter schon immer mal stellen wollten. Zum Beispiel, warum das Euter von Mausi, Milchkuh der Öko Melkburen, so stark behaart ist. »Weil es Winter wird«, sagt Hans Möller. »Manchmal müssen wir mit dem Elektrorasierer ran, damit wir die leckere Wintermilch melken können.« Mausi ist natürlich nur zur feierlichen Eröffnung der Assembly angereist.

Warum ist Mausis Euter so behaart? Frage an Hans Möller, De ÖkoMelkburen

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Kleinbäuerliche Strukturen unterstützen

Kein Mindestbestellwert, kein Mitgliedsbeitrag – Food Assemblies sind ideal für Menschen, die regionale bäuerliche Strukturen erhalten wollen, denen aber die Zeit für den Einkauf auf dem Wochenmarkt fehlt. Ferner für alle, denen Bio-Abokisten und Hofbeteiligungen zu bindend sind. Das Start-up ist ganz klar auf die Stärkung regionaler Strukturen, eine Politik der kurzen Wege und die Schaffung lebendiger Communities ausgerichtet. Den Erzeugern winken überdurchschnittlich gute Konditionen. Von den Einnahmen verbleiben ihnen 83,3 %. Das ist erheblich mehr, als ihnen beim Verkauf im herkömmlichen Lebensmittelhandel bliebe. Die restlichen 16,7 % fließen zu gleichen Teilen in eine Gebühr. Davon gehen 8,35 % an die Gastgeber und 8,35 % an Food Assembly für die Bereitstellung der Plattform. Die Erzeuger legen außerdem fest, wieviele Bestellungen mindestens eigegangen sein müssen, um die Waren zum Markttermin zu transportieren. So gewinnen sie neben Umsatz- an Planungssicherheit. Und sie müssen sich nicht bei Wind und Wetter und ungewissen Erlösen am Marktstand die Beine in den Bauch stehen.

Anbieter der ersten Hamburger Food Assembly sind:

Altländer Honig Manufaktur, Groß Hove 82, 21635 Jork
De Öko Melkburen, Schmalfelder Straße 25, 24632 Lentföhrden
Ostseesalzmanufaktur JK, Sukoring 57, 24107 Kiel
Hof Lemsahl, Redderbar 15, 22397 Hamburg
Lödings Bauernhof am See, Auf dem Ortskampe 1, 23911 Buchholz
Gestüt Kollmoor, Dorfstraße 7, 25524 Kollmoor
Obsthof Maxin, Groß Hove 96, 21635 Jork

Herrliches Himbeer-Aroma aus kalter Pressung und mehr bietet Lödings Bauernhof am See

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Und hier die Links:

Wege der Direktvermarktung: hervorragend zusammengefasst vom BUND in dieser PDF zum Download

Der Bienenkorb ist übrigens ein Attribut des Heiligen Ambrosius – Schutzpatron der Städte Mailand und Bologna, der Krämer, Imker, Wachszieher und Lebkuchenbäcker, der Bienen, Haustiere und des Lernens.

Vergleich Food-Assembly und AMAP (leider auf französisch)

Veröffentlicht am 01.10.2016

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