Zurück zur Gerste

Schlaffes Bindegewebe, schlappe Verdauung, schwache Nerven? Ein bissel Körnerfressertum könnte helfen

Doch, Gerste ist sexy!

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Mit Leichtigkeit ließe sich Gerste auf eine Stufe mit den Urgetreiden Emmer und Einkorn stellen. Schließlich lassen sich die ältesten Funde auf das Jahr 15.000 vor Christi datieren. Doch anstatt als »Ur-Brot« oder »Ur-Bier« vermarktet zu werden, fristet das Korn, wenn überhaupt, ein Schattendasein als Bückware in Reformhaus oder Bioladen. Zu Unrecht haftet ihm ein Image von Eintopf, Armenküche und Sanatorium an. Dabei ginge Gerste mühelos als Bindegewebsstraffer, Cholesterinsenker, Qi-Tonikum, Low-Carb-Frühstück und Burn-Out-Prophylaxe durch. Grund dafür ist ein hoher Gehalt an Mineralien, ß-Glukanen, B-Vitaminen und Aminosäuren – bei einem minimalen Gehalt an Gluten (Klebereiweiß) oder Fett.

Was sagt die Traditionelle Chinesische Medizin?

Den Vertretern der Traditionellen Chinesischen Medizin TCM mag die Lanze, die hier für Hordeum vulgare gebrochen wird, leicht verfrüht erscheinen. Nach ihrem Verständnis ist Gerste ein Getreide, dass sich aufgrund seiner hitzeausleitenden Wirkung am besten für heiße Sommertage eignet. Außerdem sagen sie dem Korn einen positiven Effekt bei Verdauungsschwäche und Nahrungsstagnation nach,  sowie eine beruhigende Wirkung auf Magen und Darm – Gerste bildet sogenannte Schleimstoffe; das könnte schon sein.

Heilkost nach Stürzen

Warum also die Gerste im Winter ins Spiel bringen? Weil der Mensch bei Frost zu Stürzen neigt. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Eine vermehrte Aufnahme des Getreides könnte die Heilung geschädigten Bindegewebes beschleunigen. Udo Renzenbrink, dessen Getreide-Kochbuch (Link unten) mir ans Herz gelegt wurde, rät, das (eingeweichte) Getreide vor dem Kochen bei 60 bis 80 °C im Ofen zu darren. Dadurch ließen sich Duft und Geschmack noch steigern. Darren kann man auch überspringen, aber man sollte das Getreide grundsätzlich einige Stunden oder über Nacht einweichen. Anschließend mit frischem, kaltem Wasser aufsetzen, und zwar im Mengenverhältnis 1 Teil Getreide und 3 bis 4 Teile Wasser und weich kochen. Etwa eine Stunde nachquellen lassen.

Sexy, wie gesagt

Wer bei Google+ per Bildersuche nach Gerste-Rezepten sucht, wird mit wenig appetitlichen Bildern von Suppen und Eintöpfen erschlagen. Anders Pinterest. Dort wertet der Anblick durchtrainierter Männerkörper, welche der Male Pin-up-Fotograf Richard Gerst fotografiert hat, die Suche ästhetisch auf, nur gestaltet sie sich dann länger als nötig. Am Ende gelingt es wieder mal den Amerikanern, der lieben alten Gerste etwas Glamour zu verleihen. Zum Beispiel bei Oprah.com unter dem Titel »Barley makes the best breakfast« oder bei thekitchn.com »How to cook tender, chewy Barley«. Durchaus möglich, dass ich in naher Zukunft (autsch, der Arm!) mit einem selbst kreiierten Rezept aufwarte. Stay tuned!

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Mysteriöses zum Thema „Vorgeburtliche Geschlechtsbestimmung“:

Im Pinzgau wurden Gerstenkörner und Roggenkörner vermengt, mit dem Urin der Schwangeren befeuchtet, zum Keimen aufgelegt und genau beobachtet, denn das erste keimende Korn verriet das Geschlecht des erwarteten Kindes! Das weiche Gerstenkorn verhieß ein Mädchen, das harte Roggenkorn einen Buben.

Und hier die Links:

Das Getreide meines Vertrauens kaufe ich strictly im Reformhaus – von der Getreidemühle Donath, die Flocken von der Spielberger Mühle im Bioladen – hier gibt es auch ein lesenswertes PDF zur Warenkunde

Dr. Udo Renzenbrink (1913-1994) war Anthroposoph, seine Getreidekochbücher sind nurmehr antiquarisch erhältlich

Gerste bei der Getreidezüchtungsforschung in Darzau

Welche Rolle spielt die Gerste in der Traditionellen Chinesischen Medizin?

Für alle, die es genau wissen wollen und keine Angst vor Nahrungsergänzungmittelsprech haben

Hier noch ein hübsche Spielerei von Demeter e.V.

In Form von TSAMPA ist Gerste die Lieblingsspeise der Tibeter, deshalb ein Link für Tibetfreunde: Sonami’s Tsampa – Geschichte, Zubereitung, FAQs

Veröffentlicht am 27.01.2015

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