Städter, erntet eure Haselnüsse!

Haselnüsse könnten bald teurer werden. Wer am Wochenende noch nichts vor hat, streift durch seine Stadt und sammelt sie selbst

Nutella 2015 unbezahlbar?

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Wenn selbst die Frankfurter Allgemeine Zeitung es meldet, ist es ernst: Wegen der starken Frühjahrsfröste in der Türkei wird die Haselnussernte dieses Jahr mau ausfallen. »Schlechte Haselnussernte – wird Nutella jetzt teurer?« fragen sich auch Bild, Focus und die Huffington Post. Kein Problem für sammelnde Selbstversorger in der »Essbaren Stadt«: Die Nüsse sind jetzt reif, es gibt sie in Hülle und Fülle und sie sind ungewöhnlich groß.

Haselnüsse in der Stadt – wie erkennt man sie?

Die Haselnuss ist ja bekanntlich ein Strauch, der am Rande von öffentlichen Grünanlagen zu finden ist. Umso erstaunter war ich, als ich beim Spazierengehen ihre Nüsse gefunden habe – aber weit und breit keinen Strauch. Sie waren in einem etwas klebrigen, kastaniengroßen, zerzauseltem Fruchtstand verpackt. Ziemlich mühsam die da raus zu holen. Später, beim Knacken war die Hälfte leer. Die andere Hälfte aber enthielt tadellos schmeckende Nüsslein. Des Rätsels Lösung: Es waren die Früchte des Haselbaums. Eine Baumart, die wegen ihres schlanken Wuchses gern in Städten gepflanzt wird. Hier die Fotos – klick einfach auf ein Bild, dann öffnet sich die Galerie:

Fazit: Im äußersten Notfall kann man auf die Nüsse des Haselbaums zurückgreifen. Auch selbstquälerisch veranlagte Menschen dürften ihre Freude daran haben.

Just another Nussmilch

Natürlich lässt sich aus den frischen Haselnüssen (vom Strauch) auch eine fabelhafte Haselnussmilch herstellen. Nach einer Nacht in Wasser sind sie so weich, dass man die Rückstände nach dem Mixen oder Pürieren nicht in einem Tuch auspressen muss (oder Strumpf oder Wäschesack oder whatever in der Nussmilch-Community kursiert). Aber seht selbst:

Wissenswertes über Haselnussöl

Was ich ebenfalls nicht wusste: Haselnussöl ist hoch erhitzbar. Werner Baensch von der Ölmühle Solling nennt den Grund: »Haselnussöl enthält 80 – 85 % Ölsäure, eine einfach ungesättigte Fettsäure, wie sie auch in Olivenöl und im »high oleic«-Sonnenblumenöl in etwa gleicher Menge enthalten ist. Diese Fettsäure ist temperaturbeständig und es besteht nicht die Gefahr, dass sich daraus beim Erhitzen sogenannte trans-Fettsäuren bilden. Deshalb kann man Haselnussöl auch in der »heißen Küche« zum Braten  verwenden.« Auf Nachfrage, ob man mit Haselnussöl ein besonders schönes Röstaroma erzeugen kann, wirkt Baensch reserviert. »Schade drum – würde ich sagen. Es gibt preiswertere Öle als das Haselnussöl zum Braten, aber wenn nichts anderes zur Hand ist, dann darf es auch mal Haselnussöl oder Macadamianussöl sein.«

Wozu sich Haselnussöl am besten eignet

Die Ölmühle Solling bietet zwei Sorten Haselnussöl an: Ein »natives«, kalt gepresstes aus ungerösteten Nüssen und ein Haselnussöl mit mild gerösteten Haselnüssen. Bei dieser Variante werden etwa 15 % der Haselnüsse geröstet und zusammen mit etwa 85 % ungerösteten Haselnüssen schonend gepresst. Der Ölmühlenbesitzer sagt, dieses »mild geröstete« Öl sei beliebter, weil es einen kräftigeren Geschmack nach Haselnüssen habe. »Das native Haselnussöl wiederum hat ein besonders feines, nussiges Aroma und eignet sich für Rohkostsalate. Wir raten davon ab es zu sehr zu erhitzen – soviel wie nötig und so kurz wie möglich – ist die Leitlinie für die Feinschmeckerküche.«

Und hier die Links:

Die FAZ ist um die diesjährige Haselnussernte besorgt.

Werner Baensch presst in der Ölmühle Solling ganz köstliche Öle – vielen Dank für das Interview!

Ich mag auch Judith Moog und ihre Marke Bio Planète – auch hier gibt’s Haselnussöl in zwei Varianten.

PS: Haselnussöl gilt übrigens als hervorragendes, leicht gefäßverengendes Öl in der Naturkosmetik und wird bei Krampfadern empfohlen.

Veröffentlicht am 05.09.2014

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