Nudel der Magersucht

Shirataki-Nudeln sind so gut wie kalorienfrei, enthalten kein Gluten und tauchen in letzter Zeit verdächtig oft in Websites à la »Skinny Bitch« auf

Neugierig geworden

Als Foodblogger steht man immer mit einem Bein in einer Essstörung, da darf man sich nichts vormachen. Die intensive Beschäftigung mit Essen, mit »it«-Gemüse (Blumenkohl), »Hot-Veggie 2014« (Blumenkohl), »Foodporn« (meist kein Blumenkohl) und »Superfoods« (pulverisierter Blumenkohl) hat etwas Neurotisches – zumal in einer Gesellschaft, die es sich leistet, pro Jahr 35 Millionen Tonnen Lebensmittel wegzuwerfen.

Ambivalenter Tipp der Woche

Auf www.chefkoch.de zerbrechen sich »Mullepulle« und »Tatzlwurm« den Kopf darüber, ob die gummiartigen Shirataki-Nudeln nun sättigen oder nicht. Eine berechtigte Frage: Je nach Hersteller haben sie nur 2 bis 14 Kalorien pro 100 Gramm. Auf Abnehm-und Anorexie-Seiten werden Shirataki als »Fatburner-Pasta« gefeiert. Die stärkste Fangemeinde existiert offenbar in Yogakreisen, sieht man von einer Vorliebe für pulverisierte Powerfoods einmal ab. Daher: In welchem Spannungsfeld ich mich mit diesem »Tipp der Woche« bewege, ist mir schon klar. Aber: Wer bin ich? Just another Foodblogger, immer auf der Jagd nach Themen. In dieser Eigenschaft interessiert mich das Low-Carb-Wunder wieder brennend.

Die Nudel im Alltagstest

Glasnudel, glutenfrei, low-carb: nie gehört! Als Erstes habe ich sie in Bioqualität gesucht, was nicht einfach war. Fündig geworden bin ich bei dem auf Makrobiotik spezialisierten Hersteller »Arche«. 150 g kosten zwischen 4 und 5 Euro. Wer einfacher an den Stoff kommen will,  wählt einen Asia-Shop (oder geht online). Dort sind die traditionellen japanischen Nudeln, welche in einer wässrigen Lake schwimmen, etwas günstiger (etwa 3 bis 4 Euro). Beim Öffnen der Packung schlägt einem zunächst ein betäubender Geruch entgegen. Manche nennen ihn fischig, ich finde ihn modrig. Er verfliegt aber sofort, sobald man die Nudeln gründlich abgespült hat. Im Anschluss zeigen sie ihre wahre Größe: Nachdem man mit Gemüse, Miso oder Hefeextrakt einen Suppen-Grundstock gezaubert hat, wirft man sie hinein, lässt sie ein bis drei Minuten köcheln, fertig. Die Konsistenz hat Biss, der Geschmack ist neutral und passt sich dem Suppenaroma tadellos an. Keine Beanstandung meinerseits in puncto Geschmack. Gesättigt hat der »weiße Wasserfall«, wie die Japaner Shirataki nennen, naturgemäß kaum. Was zu erwarten war.

Und hier die Links:

Anorexie heute – diese hervorragende Seite zum Thema Magersucht betreibt die freie Journalistin Nora Burghard-Arp

Vergiss Grünkohl – Blumenkohl ist das »hot veggie 2014«

You heard it here first: Cauliflower is poised to become the next “it” vegetable.

Jetzt doch ein Blumenkohl-»Food-Porn« gefunden, eher untypisch.

Ein Beispiel für eine Pulver-Power-Superfood-Seite

Hier gehts zur Konjac-Pflanze und hier zur Nudel

Finally: Der »Mullepulle-Tatzlwurm»-Dialog

Veröffentlicht am 10.10.2014

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