Somatische Intelligenz – der Workshop

Ein Mann räumt auf – mit guten Vorsätzen, blöden Regeln und ungesunder Fremdbestimmung: Thomas Frankenbach  #Rückblick #Workshop

Ein Abendvortrag von Thomas Frankenbach

Wie das so ist, freitags abends in der grossen Stadt: man betritt mit hechelnder Zunge einen Raum, froh es rechtzeitig geschafft zu haben. Dann aber steht da dieser 1,90 Meter-Hüne und coolt einen mit sanfter Stimme erst mal runter. An den Fenstern rüttelt ein für Hamburg viel zu warmer Wind, gut 30 Leute sind gekommen. Um es vorweg zu sagen: kuschelig wird es bei Thomas Frankenbachs Abendvortrag nicht. Dazu erschüttert der Karatemeister (Schwergewicht, lange Jahre im deutschen Nationalkader) allzu oft das festgefügte Bio-Weltbild. Vollkorngetreide statt Weißmehl sowie reichlich Obst und Gemüse, vorzugsweise mit Schale, das sind eben keine Ernährungsregeln, die für alle Menschen bekömmlich sind.

Uns selbst gegenüber taub

Thomas Frankenbach ist diplomierter Ökotrophologe und sagt: »Die Ernährungswissenschaft ist die enttäuschendste Wissenschaft, die ich je kennengelernt habe.« Als ernährungswisssenschaftlicher Leiter an einer verhaltensmedizinisch orientierten Reha-Klinik, begegnet er Tag für Tag »fehlernährten Menschen.« Oft seien das Menschen, die sich nach den vermeintlich gesundheitsförderlichen Empfehlungen der »Deutschen Gesellschaft für Ernährung« DGE richten. «Große Patientengruppen – sogar mit schweren Leiden wie Burn-out oder Depression – achten nicht auf die Belange ihres Körpers und die untrüglichen Signale, die er gibt.« Aber genau das, sagt Thomas Frankenbach, sei der Schlüssel zur bestmöglichen persönlichen Ernährung. Frankenbach: »Der Körper spricht immer. Wir müssen uns nur ein wenig Zeit nehmen, ihm zuzuhören. Dann geben wir ihm nicht nur die Menge, sondern auch alle Stoffe, die er braucht.« Am nächsten Morgen, dem Tag des zweitägigigen Workshops, der dem Thema Ernährung gewidmet ist, werden wir lernen, wie das geht.

Kann ich das essen?

Nachdem wir am nächsten Morgen eintrudeln, lehrt der Karatemeister uns eine Tai-Chi-Chi Gong Übung, die den Stress von unseren Schultern nimmt und uns emotional befriedet. Zur Einstimmung ist das schon mal super. Im Anschluss folgt ein weiterer Schub Wissen: Frankenbach zeigt uns die Magenverweildauer von Wasser (< als 1 Minute), Obst und Gemüse ( 30 Minuten), Getreide ( ≥ 60 Minuten), Fett und eiweißhaltiger Nahrung (6 bis 8 Stunden) – und wie wichtig die Kenntnis der Magenverweildauer unserer Nahrung für eine individuell passende Ernährungsweise ist. Er schildert, warum gerade die Schale von Obst oder Gemüse für manche Menschen problematisch sein kann: zu viele Abwehrstoffe gegen Fressfeinde, dazu zählt auch mancher Mensch. Du hast nach Äpfeln Blähungen? Dann schäl sie! Vielleicht zählst du sogar zu den Menschen, die aufgrund von Apfelschalengenuss eine Apfelparaffinleber entwickeln, eine neu aufgetretene Form einer Fettleber (dazu in einem späteren Blogbeitrag mehr). Dir stoßen Gurken und grüne Paprika noch Stunden später auf? Lass sie weg! Denn oft gibt uns der Körper durch schlechte Bekömmlichkeit klar zu verstehen, dass die enthaltenen Stoffe nicht für uns gemacht sind. Du magst keine Zwiebeln? Nicht essen! Frankenbach: »Dein Körper weiß, was dir gut ist. Immer.«

Warenkunde im Supermarkt

Es folgt der nächste spannende Programmpunkt in unserem zehnstündigen Ernährungsworkshop: der Ausflug in einen nahegelegenen großen Supermarkt. Spätestens hier, am Regal mit den Olivenölen, wird klar, dass es sich bei Thomas Frankenbach um einen universal denkenden Menschen mit Tiefgang handelt. Er hat die wirtschafts-historischen Gründe untersucht, wegen derer man uns immer neue Ernährungsdogmen verkauft: zum Beispiel Vollwertgetreide für den Arier-Magen im Nationalsozialismus oder herzgesunde Mittelmeerkost mit dem Schwerpunkt griechisches Olivenöl nach dem Zusammenbruch des Warschauer PaktsSubventionen, Baby! Auch auf das Kapitel künstliche Aromen und zugelassene (aber oft nicht deklarierte)  Zusatzstoffe  geht er ein. In Deutschland gibt es davon 7000. Sie übertünchen Minderwertiges oder gaukeln uns eine »verbesserte Rezeptur« vor –  das können sie auch deshalb,  weil wir Konsumenten mit immer Neuem überrascht werden wollen.

Selbsterfahrung hilft

Nach dem Supermarkt-Trip schwärmen wir in ein mit Cafés und angesagten Imbissen gespicktes Szene-Viertel aus. Als die Runde wieder zusammenkommt und die Erlebnisse des Mittagessens teilt, reicht das Selbsterfahrungspektrum von »Fressnarkose« bis »mir genügte ein Salmiakbonbon« (von dem Frankenbach weiß, dass er dem weiblichen Hormonhaushalt förderlich sein kann). Zum Abschluss bekommen wir eine Übung an die Hand, die unser künftiges Essverhalten zum Positiven verändern wird, sofern wir es wollen: in Anlehnung an den großartigen Körpertherapeuten Jon Kabat-Zinn lernen wir, ein billiges Schokobonbon so zu essen, als hätten wir es noch nie gesehen: auspacken, betrachten, daran riechen, es mit der Zunge erkunden, kauen, schlucken – wie fühlt sich das an? Tja, wie? Probier es selbst  aus. Es könnte der erste Schritt sein, deinem Körper die Aufmerksamkeit zu schenken, die er verdient.

Das Ganze vertiefen – per App, per Buch

Das zweitägige Seminar, organisiert von Isabel Vogeler (Shiatsu Ahoi), fand inklusive Abendvortrag vom 5.2. – 7.2.2016 in der »Schule für Taijiquan und Qigong« in Hamburg statt. Es bestand aus den Blöcken »Somatische Intelligenz« und »Bodytalk«. Beide werden als Basismodul für den Ausbildungsgang »Trainer für Somatische Intelligenz« angerechnet. Der Lehrgang verbindet elementares Wissen aus Psychologie, Neurowissenschaften und Ernährung mit praktischen Übungen und viel Selbsterfahrung. Er richtet sich an Ärzte, Ernährungsberater, Heilpraktiker und Therapeuten – aber auch an Köche, Pflegekräfte, Pädagogen, Physiotherapeuten oder Fitness- und Sporttrainer.

Wem es ums »Schlank sein« geht, kann man sich zusätzlich zur Lektüre des gleichnamigen Buches von einer App unterstützen lassen. In dem 15-Tage-Programm gibt es Medititation zur Selbstwahrnehmung  und tägliche eine  Anregung für einen entspannten Umgang mit sich selbst, dazu Wissen oder Selbsttests zu Ernährungs- und Lebensfragen.

Und hier die Links:

Thomas Frankenbach ist auf Facebook und hat selbstverständlich eine eigene Webpräsenz

Dort findet man auch Hinweise auf seine drei Bücher und die App

Die Termine für die Ausbildung zum »Trainer für Somatische Intelligenz« findest du hier

Veröffentlicht am 12.02.2016

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