Schmeckt wie – Mayonnaise

Vegane Mayonnaise – warum kaufen, wenn man sie  (ohne Soja) selber machen kann?

Imitate, Imitate

Es gibt vegane Produkte, die sind unerträglich. Zum Beispiel die aus Yamswurzelpulver hergestellten Riesengarnelen. Sie schmecken kein bisschen nach Meer und erinnern dank ihrer gummiartigen Konsistenz allenfalls entfernt an ihr Vorbild. Quietschrote Scheiben die «wie Salami« sein sollen (es aber nicht sind), Veggie-Frischkäse, der sich am Gaumen wie Gips verhält oder unfassbar salzige Bifi-Imitate – wie ein Ertrinkender klammert sich die Lebensmittelindustrie an den Veganismus und wirft unermüdlich schrägen Fleisch-, Fisch-, und Käseersatz auf den Markt. Auch (und gerade) die Bio- und Reformhausbranche macht da keine Ausnahme. In seinem Rückblick auf die Leitmesse BioFach 2015, die im Februar in Nürnberg stattfand, hat Foodblogger Peter G. Spandl den Eindruck, dass sich »viele Veganer komplett in die Hände der Industrie begeben« (Link unten).

Soja hier, Soja da

Denn zum Glück gibt’s ja Soja. Selbst Nicole Just, die mit ihrem schönen Kochbuch »La Veganista« Lust auf vegane Küche macht, setzt Soja inflationär ein. Geschmacksneutral und formwillig liefern die Bohnen den Grundstock für alles mögliche. Doch ein hoher täglicher Konsum ist, mal vorsichtig gesagt, umstritten. Ob man eine tägliche Dosis verträgt oder nicht, muss jede und jeder für sich selbst herausfinden. Global gesehen verdrängt der Sojaanbau im großen Stil (zumeist zum Gebrauch als Tierfutter) jedoch Regenwald- und anderweitige landwirtschaftliche Nutzflächen. Schon aus diesem Grund ist ein hoher Konsum nicht empfehlenswert. Natürlich gibt es Ausnahmen. Taifun beispielsweise lässt Bio-Soja in Europa anbauen. Und auch andere alteingesessene Hersteller haben Spezialitäten im Sortiment, die geschmacklich nicht zu beanstanden sind. Gegen ein gelegentliches Sauerkraut mit Räuchertofu oder ein Brot mit was-weiß-ich-für-Tofu ist also nichts einzuwenden – in Maßen.

Vegane Mayonnaise ohne Soja

 

»Es scheint unglaublich«, schreibt Tarn Taran Kaur Kahlsa, »dass aus folgenden Zutaten eine mayonnaiseähnliche Creme entsteht.« Und Recht hat die Autorin des vergriffenen Kultkochbuchs »Essen für Leib und Seele«. Es listet alle Köstlichkeiten des legendären vegetarischen Restaurants »Golden Temple« in Hamburg auf, leider seit langem geschlossen. Die Tahin-Mayonnaise besticht durch ihre Einfachheit. Ich habe das Rezept ein wenig abgewandelt, weil es weder Salz noch Pfeffer enthält, die jedoch zwingend dazu gehören.

Zutaten:

125 ml Öl
50 g Tahin (Sesammus)
1 El veganes Süßungsmittel (im Rezept steht Honig)
60 – 80 ml Zitronensaft

That’s it. Man gibt erst Öl, Tahin und Honig in einen Mixer. Lediglich eine Minute bei niedrigen Umdrehungen mixen. Dann langsam den Zitronensaft hinzufügen – lieber weniger als mehr. Die Menge des Saftes entscheidet über die Konsistenz. Wer es dünner haben will, sollte lieber etwas Wasser hinzufügen als Saft. Wer zuviel Zitronensaft nimmt, läuft Gefahr, dass das Ganze gerinnt. Dasselbe gilt für den Honig. Sparsam einsetzen. Aber unbedingt salzen und pfeffern! Die Angabe fehlt im Originalrezept. Das Ergebnis schmeckt absolut mayonnaise-like. Dieser Eindruck lässt sich durch einen Teelöffel Senf noch steigern. Kahlsa schlägt vor, die Creme mit Knoblauch und frischen Kräutern zu verfeinern. Auch gut! Die Mayonnaise passt zu allem, wozu man auch sonst Mayonnaise gebrauchen würde. Probiert’s aus!

Und hier die Links:

Hier die Eindrücke von der BioFach 2015 von Peter G. Spandl

Zum Teil unsägliche vegane Produkte  à la Fisch und Fleisch  und andere Imitate aus dem Reformhaus

Ein Mayonnaise-Rezept auf Mandelbasis nach Martha Stewart – würde statt ganzer Mandeln einen Esslöffel Mandelmuss nehmen (englischsprachig)

Veröffentlicht am 22.02.2015

5 Gedanken zu „Schmeckt wie – Mayonnaise

  1. Anja

    Hallo, ich habe deine Seite gerade bei der Recherche zu Kokosblütenzucker entdeckt und finde deine Informationen richtig gut. Hier werde ich auf jeden Fall öfter vorbei schauen!
    Ich mache Mayo immer aus Mandelsahne, das schmeckt auch super. Und diese Yamsgarnelen… wäääh. Die habe ich auch schon probiert. Manches muss einfach nicht sein :) aber wenigstens sind sie aus Yaks und nicht aus purer Chemie.
    Liebe Grüße aus Düsseldorf und ein dickes Lob an deinen Blog,
    Anja

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    1. kirstinruge Beitragsautor

      Liebe Anja,
      freut mich, dass dir mein Blog gefällt! Wenn man ein bisschen hinter die Kulissen schaut, ist es mit der Lebenmittelindustrie fast überall im Argen. Kennst du den Film »More Then Honey« – die Passage wie dort Mandelbäume mit herbeigekarrten Bienen bestäubt werden, die Art, wie der Imker sie behandelt? Dreht einem auch den Magen um. Aber um ehrlich zu sein: wie Sesam geerntet wird, weiß ich z.B. gar nicht…Liebe Grüße, Kirstin

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  2. Sina

    Hey! Ich bin gerade durch Recherche auf diesen Blog geraten und bin echt erfreut.
    Die Themen sprechen mich einfach genau an und ich bin sehr interessiert an den Themen hier!
    Hier werde ich auf jeden Fall öfter vorbei schauen!

    Gerade diesen Artikel über die Alternative zu „normaler“ Mayonnaise finde ich super! Bin genau der gleichen Meinung!

    Danke für die hilfreichen Artikel für eine gesündere Ernährung!

    Gruß Sina

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