Die drei Detox-Aminosäuren

Wissen hilft: Warum Glycin, Cystein und Glutaminsäure beim Entgiften assistieren und in welchen Nahrungsmitteln sie stecken

Käse, Petersilie, Eier - sie alle enthalten mehr oder weniger die drei Detox-Aminosäuren Glycin, Cystein oder Glutaminsäure

Käse, Petersilie, Eier – sie alle enthalten mehr oder weniger die drei Detox-Aminosäuren Glycin, Cystein oder Glutaminsäure

Entgiften ist Chemie

Du willst entgiften? Und es soll auch funktionieren? Dann nutzt vielleicht ein Hauch Nachhilfe. Und zwar in organischer Chemie. Wir starten mit einer blöden Frage. Warum heißen Aminosäuren eigentlich Säuren, wenn sie doch Eiweiße sind? Sind sie eben nicht. Sondern nur die Bausteine von Proteinen. Wegen ihrer Bautätigkeit heißen sie auch proteinogene Aminosäuren. Ganze 23 hat man davon bisher entdeckt. Es gibt noch 400 weitere. Aber diese sind alle nichtproteinogen. Aminosäuren nennt man deshalb Säuren, weil sie wegen ihrer Carboxylgruppe auch Carbonsäuren genannt werden. Man hat sie auf der Erde, aber auch in Kometen, Meteoriten, Gasnebelwolken und sonstwo im Universum gefunden. Zum Entgiften sind vor allem die Aminosäuren Glycin, Cystein und Glutaminsäure interessant. Warum ausgerechnet sie? Weil sie zusammen das Tripeptid Glutathion bilden. Vorab wichtig: In diesem Beitrag geht es nicht um Mangelerscheinungen, Laborwerte oder Nahrungsergänzungsmittel. Sondern um das natürliche Vorkommen hilfreicher Detox-Substanzen in unserer Nahrung. Helfen wir unserer Leber beim Entgiften einfach, indem wir diese Lebensmittel ganz gezielt essen.

Warum Glutathion?

Glutathion (GSH) hilft dem Köper beim Entgiften, weil es schädliche Stoffe wasserlöslich macht. So können sie über die Niere ausgeschieden werden. Fast alle Körperzellen können die Substanz selbst herstellen. Voraussetzung dafür ist eine gute Versorgung mit deren Grundbausteinen. Aber auch Spurenelemente wie Selen oder Magnesium tragen dazu bei, dass genug Glutathion zur Verfügung steht. Ein Gegenspieler von Glutathion ist übrigens das Schmerzmittel Paracetamol. Bei einer Paracetamolvergiftung erschöpft sich die Entgiftungskapazität des Glutathions. Trinkfeste Experten raten deshalb davon ab, einen Kater mit Paracetamol zu bekämpfen.

Worin ist Glutathion enthalten?  In heimischen Gemüsen wie Kartoffeln, Spargel, Brokkoli, Zucchini, Kürbis und Spinat. Außerdem in senföl- oder schwefelhaltigen Gemüsen wie Rettich, Rüben, Zwiebeln oder Kohlrabi. Zur Anhebung des Glutathionspiegels werden auch Petersilie, Rosenkohl oder Weißkraut empfohlen. Fruchtige Quellen sind Äpfel, Orangen, Grapefruits, Kirschen oder Wassermelonen.

Doch wenden wir uns jetzt den einzelnen Aminosäuren zu, aus denen sich Glutathion zusammensetzt.

Entält besonders viel natürliche Glutaminsäure: Sojasauce

Entält besonders viel natürliche Glutaminsäure: Sojasauce

Grundbaustein Glycin

Glycin ist die kleinste aller Aminosäuren. Sie wurde erstmals in Gelantine entdeckt. Der Körper kann sie selbst herstellen. Fast alle Proteine in unseren Körpern enthalten Glycin. Im Durchschnitt circa 7,5 Prozent. Meist wird die Aminosäure mit der Nahrung aufgenommen. Sie kann aber auch aus Serin stammen, dazu später mehr. Glycin hilft den roten Blutkörperchen dabei, Sauerstoff aufzunehmen. Im Nervensystem dient die Aminosäure als Neurotransmitter. Besonders häufig kommt sie im Stützgewebe des Körpers vor, welches auch Bindegewebe oder Kollagen genannt wird. Glycin spielt eine wichtige Rolle bei der Proteinsynthese für den Muskelaufbau.

Lebensmittel mit hohem Glycingehalt sind: Fisch, Fleisch, Eier und Milch. Aber auch Sojabohnen, Erdnüsse, Erbsen und Linsen. Außerdem Nüsse und Samen, besonders Walnüsse und Kürbiskerne. Desweiteren Maismehl, ungeschälter Reis und Weizenvollkornmehl.

Als Zusatzstoff firmiert Glycin übrigens unter E 640.

Zusatzinfo: Serin kann eine körpereigene Quelle für Glycin sein. Die gesundheitliche Bedeutung dieses Eiweißbausteins wird noch erforscht. Serin liegt in zwei Formen als D- und als L-Serin vor. Es wird vom Körper selbst gebildet. In Lebensmitteln findet man Spuren von Serin lediglich in roher oder kaum erhitzter Kost.

Grundbaustein Cystein

Als Zusatzstoff ist Cystein in vielen industriellen Backwaren enthalten. Im Kleingedruckten firmiert die Aminosäure unter dem Kürzel E 920. Erstmals wurde sie aus Nierensteinen isoliert. Als Baustein von körpereigenem Eiweiß oder Enzymen ist Cystein an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Dabei spielt wieder Serin eine Rolle. Wikipedia schreibt: »Cystein wird biosynthetisch aus Serin, welches das Grundgerüst liefert, und Methionin über Homocystein, das die SH-Gruppe beiträgt, in der Leber gebildet.« Cystein kann zudem Schwermetalle binden. So wird es beispielsweise gegen Silbervergiftungen eingesetzt. Angeblich hilft es sogar zur Vorbeugung von Strahlenschäden.

Cysteinhaltige Lebensmittel sind: Gefügel- und Schweinefleisch, auch verarbeitet. Schalentiere und fettreicher Fisch. Ferner Sojabohnen und Cashewnüsse, Erdnüsse und Hülsenfrüchte. Eine gute Quelle sind überdies Haferflocken und Dinkelmehl.

Zusatzinfo Methionin: Der Körper kann seinen Cysteingesamtbedarf auch selbst bilden, sofern die Nahrung genug Methionin enthält. Sesam, Buchweizen, Paranüsse enthalten viel der schwefelhaltigen Aminosäure. Aber auch Eier, Rindfleisch, Fisch, Mais sowie Sojabohnen.

Auch viele Getreidesorten - hier Hafer - liefern wertvolle Detox-Aminosäuren

Auch viele Getreidesorten – hier Hafer – liefern wertvolle Detox-Aminosäuren

Grundbaustein Glutaminsäure

Auch Glutaminsäuree kann der menschliche Körper selbst herstellen. Deshalb spricht man auch von nicht-essentiell. Häufig spart man sich die Langform und spricht nur von Glutamat. Genau genommen sind Glutamate, so wie wir sie als Geschmacksverstärker (E 621 bis E 625) kennen, Abkömmlinge der Glutaminsäure; nämlich Ester und Salze. In Zusatzstoffe-online.de wird die Funktion der Glutaminsäure so beschrieben: »In lebenden Zellen ist Glutaminsäure unter anderem für Entgiftungsvorgänge und als Energielieferant für bestimmte Gewebe notwendig. Sie ist zudem der wichtigste Neurotransmitter für die Reizweiterleitung zwischen Nervenzellen.«

Natürliches Vorkommen in unserer Nahrung: Geflügel, Rind und Schwein enthalten viel Glutaminsäure, auch (und gerade) in verarbeiter Form. Ebenso Fisch. Ein hervorragender Spender sind Sojasauce und Hefeexktrakt. Tofu, Sojabrot und Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Erbsen sind ebenfalls reiche Quellen. Auch Milchprodukte wie Quark und Käse enthalten viel natürliches Glutamat, besonders Hartkäse wie etwa Parmesan.

Zusatzinfo: Ob man gegen eines der Mitglieder der E 620er-Familie empfindlich ist, muss jede und jeder für sich testen. Sensible Gaumen schmecken die in Kartoffelchips, Instant-Nudeln und Tütensuppen reichlich enthaltenen Geschmacksverstärker deutlich heraus und empfinden sie als unangenehm. Manche reagieren mit Kopfschmerzen oder Schwindel.

Schlussbemerkungen

Entgiften durch Essen – geht das überhaupt? Ja und nein. Die Idee eines Mangels, welcher mit einer einzelnen Aminosäure auszugleichen wäre, ist Humbug. Wir wissen mittlerweile durch groß angelegte Studien, dass die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mehr Schaden anrichtet als gesundheitliche Vorteile bringt. Zurzeit baut sich eine riesige Industrie auf, die uns mit DIY Gesundheitstracking auf die Spur der Selbstoptimierung bringen will. Mit Online-basierten Labortests wollen Start-ups viel Geld verdienen – und zwar dein sauer verdientes Geld. Dieses ist mit Sicherheit besser in frische, abwechslungsreiche und bewusst genossene Lebensmittel  angelegt. Und noch ein Letztes: Laut Traditioneller Chinesicher Medizin wird die Leber dem Holz-Element zugeordnet – die dazu passende Geschmacksrichtung ist sauer. Dem entsprechend hier noch ein schnelles Detox-Rezept für den Akutfall. Enthält sehr, sehr viele von den drei Detox-Aminosäuren und wirkt. Wichtig: Falls du es schaffst, verzichte auf Kaffee. Gehe stattdessen, sobald die Beine wieder tragen, lieber ein Weilchen spazieren.  Kehre, wenn du kannst, später beim Chinesen, Thai oder Vietnamesen ein (hier Phở bestellen).

Reformwarenblogs Hangover-Rezept, überliefert von einem geübten Trinker

    • Saft von zwei Zitronen pur trinken.
    • Rührei aus drei Eiern zubereiten.
    • Veganer nehmen ersatzweise Tofu und würzen mit Kurkuma und Schwefelsalz Kala Namak.
    • Kräftig salzen.
    • Oder mit Sojasauce würzen.
    • Darüber Schnittlauch streuen.
    • Gern mit Tomatenmarkt verzieren oder ein Glas Tomatensaft dazu trinken.
    • Wichtig: Damit ist keine Bloody Mary gemeint. Tomatensaft OHNE Wodka!

 

Und hier die Links:

Solltest du nochmal die Grundlagen über Aminosäuren nachlesen wollen, schlag hier oder unter Carbonsäure nach

In vielem, aber nicht in allen Punkten teile ich die Ansichten von Thomas Klein/Hygeia-Verlag unter dem Titel »Trügerische Entgiftungstherapien«. Noch mal zur Wiederholung: Von der Einnahme synthetischen Glutathions wird abgeraten

Vertiefende Lektüre zum Thema Glutathion findest du hier oder bei Wikihow (vergiß die Empfehlungen mit den Nahrungsergänzungsmitteln)

 

Veröffentlicht am 01.01.2017

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