Eier, welche Eier?

Rund 9 % aller gekauften Eier stammen aus Bio-Haltung. Aber sind diese Legehennen wirklich glücklich?

Kennst du dein Huhn?

Dürfen sich im Wald vor Raubvögeln verstecken - Legehennen vom Waldgartenhof

Dürfen sich im Wald vor Raubvögeln verstecken – Legehennen vom Waldgartenhof

»Bemerkungen über das Haushuhn« – wie schade, dass es diese Folge aus Horst Sterns legendärer TV-Serie »Sternstunden« nicht auf Youtube gibt. Vielleicht zeigt uns der begnadete Journalist dort Bilder, die für uns Städter ziemlich überraschend sind. Hühner zum Beispiel, die vom Regenwurm bis zum Maulwurf alles jagen, was sich bewegt. Hühner, die nachts auf Bäumen schlafen und sich im Wald verstecken, um sich vor Raubvögeln zu schützen. Vielleicht sogar befreite Bio-Legehennen, denen es vergönnt ist, nach der ersten Mauser noch ein paar Jährchen weiterzuleben. Kurz, Aufnahmen, die einen realistischen Eindruck von wirklich artgerechter Haltung vermitteln. Was uns als »Bio« verkauft wird, hat damit nicht viel zu tun. Bio-Legehennen werden zumeist nach eineinhalb Lebensjahren geschlachtet, weil die Leistung nachlässt. Die EU-Ökoverordnung erlaubt 3000 Hennen pro Herde, maximal sechs Tier pro Quadratmeter. In Hallen mit mehreren Etagen sind es nach Recherche des Tierschutzverbandes Peta häufig 12 Hennen pro Quadratmeter (Link unten). Nach Bio-Kriterien dürfen sich vier Vögel einen Quadratmeter Grünfläche teilen. Erlaubt ist nur Biofutter. Ziemlich utopisch, dass so ein Huhn jemals in den Genuss eines Regenwurms kommt.

Vom wem kaufst du dein Ei?

In den 1970er Jahren noch 300 Eier pro Nase, heute so um die 220

In den 1970er Jahren noch 300 Eier pro Nase, heute so um die 220

Biolandhof Kruse aus Bramsche hat ein Hühnermobil, der Birkenhof in Egelsbach, der Himpslhof in Edewecht und andere auch. Mit den fahrbaren Ställen ziehen die Hühnerhalter mit ihren Freilandhühnern von Ackerfläche zu Ackerfläche. Himpslhof-Eigner Marius Otto schreibt: »Unsere Hühner haben auf dem Areal genügend Platz und können in der freien Natur nach Herzenslust picken, scharren und Würmer aus dem Boden ziehen.« Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass Bio-Eier von glücklichen Hühnern stammen. Wem das Wohl des Huhns am Herzen liegt, schaut beim Eierkauf 2 x hin und fragt nach. Möglicherweise sind Eier von einem kleinen Markthändler, die nicht »bio«, sondern aus mobiler Freiland-Haltung stammen, die bessere Wahl. Blogger Felix Olschewski macht das in seinem Blog Urgeschmack mehr als plausibel.

Mein persönlicher Eier-Favorit

Britta und Dipl.-Ing.agr. Manfred Flegel aus Nienwalde sind Eigner der Waldgarten GmbH & Co. KG

Britta und Dipl.-Ing.agr. Manfred Flegel aus Nienwalde sind Eigner der Waldgarten GmbH & Co. KG

Als ich bei der Hamburger Öko-Konditorei Eichel einen Flyer vom Waldgartenhof entdeckte, war ich schwer beeindruckt. In den Fotos kommt das Raubtier im Huhn – und damit die Würde dieses intelligenten Wesens – voll zur Geltung. Auch das beschriebene Arbeitsprinzip von Britta und Manfred Flegel ist überzeugend. Weil Hühner Waldrandbewohner sind, ziehen sie und ihr Team mit mobilen Hühnerställen durch einen (offenbar ausgedehnten) Waldgarten. Für jedes Huhn wird ein Obst- oder Forstbaum angepflanzt, um die durch die Hühner verursachten CO2-Emmissionen auszugleichen (Aufforstung – immer gut!). Richtig glücklich war ich, als ich Waldgarten-Eier bei meinem Lieblings-Bioladen Vitalien entdeckte. Größe L kosten 51 Cent. Ein Preis, den ich für diese Kostbarkeit ohne mit der Wimper zu zucken bezahle.

Eier in Zahlen

0 steht für Bio bei der Eier-Kennzeichnung - mehr hier http://de.wikipedia.org/wiki/Eierkennzeichnung

0 steht für Bio bei der Eier-Kennzeichnung – mehr hier http://de.wikipedia.org/wiki/Eierkennzeichnung

Im Jahr 2013 lebten mehr als 28 Millionen Legehennen in Deutschland. Davon werden ganze 7 Prozent nach Biokriterien gehalten (Quelle: Stiftung Warentest). In den 1970er Jahren, als Horst Stern seine Filme drehte, verzehrte die Deutschen im Schnitt 300 Eier pro Nase. 2013 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 218 Eiern, 2006 waren es 209. Am Gesamt-Umsatz der Bio-Branche liegt der Anteil der Eier bei 14 Prozent. Von allen in Deutschland gekauften Eiern stammen 9 Prozent aus Bio-Haltung (Quelle: Foodwatch).

Und hier die Links:

Die große Peta-Eierrecherche mit einem Update aus 2013

Biodynamische Eier aus dem Unterholz – ein Bericht aus dem Demeter-Magazin

Informationen über die Bruderhahn-Initiative

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft BÖLW berichtet hier über die Haupt- und Nebenwidersprüche der artgerechten Bio-Tierhaltung

Wer »Sterns Stunde«, die fantastische Serie über Tiere von Horst Stern nicht kennt, klickt hier

Gerettete Hühner aus Bio-Freiland-Haltung

Wieviel Bio kaufen wir Deutschen eigentlich? Laut dieser Zahlen von foodwatch nicht viel

Ein frischer Link zum Thema laxer Umgang mit Bio-Legehennen, taz, September 2016

Veröffentlicht am 05.03.2015

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